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Massiver Einschüchterungsversuch nach Stromausfall in Berlin

 

25 März 2026 

Pressemitteilung Rote Hilfe e.V. – 24.03.2026

Am Vormittag kam es in Berlin und an anderen Orten zu Razzien durch Hundertschaften der Polizei. Dabei waren vor allem anarchistisch geprägte Infoläden sowie mehrere Wohnungen betroffen. Neben dem Zerstören und Eindringen in politisch und privat genutzte Räume entwendete die Berliner Polizei Datenträger und machte penible Aufnahmen in Infoläden und einem linken Späti, wie der Kiosk in Berlin genannt wird.

Laut Durchsuchungsbeschlüssen sucht die Polizei nach vier namentlich genannten Personen, diese sind laut Tageschau im Alter von 28 bis 35 Jahren. Der Durchsuchungsbeschluss liegt bereits seit Dezember 2025 vor. Die Vorwürfe sind verfassungsfeindliche Sabotage (§88), gemeinschaftliche Sachbeschädigung (§304), Brandstiftung (§306) und das Ganze unter dem Deckmantel eines 129er Verfahrens. Es ist nach anwaltlichen Einschätzungen davon auszugehen, dass es sich hierbei um einen Anfangsverdacht handelt, den die so genannte „Ermittlungsgruppe Spannung“ des LKA Berlin ermittelt haben will. Dies erklärt auch warum gegen die vier Gesuchten kein Haftbefehl vorlag und stellt den Angriff in ein fragwürdiges Licht.

„Der massive Einsatz und gezielte Angriff auf linke Strukturen heute zeigt wie die seit Wochen aufgebaute Stimmungsmache gegen linken Aktivismus sich durch die Polizei entlädt,“ so Hartmut Brückner. „In diese Stimmung mischen sich Töne, die Anschluss an nationalsozialistischen Sprachgebrauch finden, wenn etwa der Sprecher der GdP-Berlin Benjamin Jendro heute in der BZ von einen „Linksextremismus als demokratiegefährdendes Krebsgeschwür, das sich durch unsere Gesellschaft frisst“ spricht.“ 

Nicht nur die erst jetzt vollstreckten Razzien zeugen davon, dass erhebliche Zweifel an der Darstellung und Bewertung des Geschehens gibt. Zumal dies zu einem Zeitpunkt geschieht, in dem die Verfahren gegen das Magazin Zündlumpen, dem in der Stellungnahme des GDP Sprechers eine zentrale Rolle zugeschrieben wird, auf der Kippe steht. Der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung ist dort schon vom Tisch.

Auch in anderen Zusammenhang ist der Sprecher der GDP schon mit fragwürdigen Äußerungen aufgefallen: in dem Versuch einen gewalttätigen Polizeieinsatz im Zugang zur Ostkurve am 17. Januar 2026 zu rechtfertigen, in denen er unter anderem die Integrität sowie die innerdemokratische Verfasstheit von Hertha BSC massiv angriff. Die Fanhilfe Hertha BSC sah den GdP-Berlin Sprecher der Falschaussage überführt.

Die Rote Hilfe steht an der Seite der Betroffenen der heutigen Razzien und verurteilt die Versuche eine ganze Szene zu kriminalisieren, während eine ausbeuterische, klimafeindliche und kriegstreiberische Politik mit allen Mitteln der Staatsgewalt durchgesetzt werden soll.

Was das eigentliche Ziel der Polizeiaktion zu sein scheint, tritt in einem anderen Absatz der Stellungnahme des GDP Sprechers zu Tage: „Dabei profitieren sie weiterhin von fehlenden rechtlichen Anpassungen wie der überfälligen Ausweitung der Quellen-TKÜ, IP-Mindestspeicherfristen oder Nutzung KI-basierter Technik“, und meint damit die Linken, und legt damit offen, worauf er hinaus will.

„Eine Gesellschaft, die über die Willkür der Staatsgewalt beherrscht werden soll und in der sich Überwachung und Kontrollsucht breit macht, sollte sich dringend fragen ob sie sich noch als demokratisch verstehen kann,“ so Brückner abschließend.

Rote Hilfe e.V. – 24.03.2026

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Über die Welle an Hausdurchsuchungen in Berlin und darüber hinaus

solidarity 26. März 2026

Am Dienstag den 24.3.26 haben gleichzeitig an mehreren Orten in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und in Kyritz (Brandenburg) Hausdurchsuchungen stattgefunden. Zwischen 5.45 und 6 Uhr brachen Bullen in mehrere Wohnungen, wie auch in die anarchistische Bibliothek Kalabal!k in Kreuzberg, den Infoladen Scherer8 in Wedding und den „L5“ Späti in Neukölln ein. Die Bullen dursuchten auch Autos und Fahrräder.

In den Durchsuchungsgbeschlüssen wird die Gründung einer kriminellen Organisation vorgeworfen, die mindesten 4 Mitglieder haben und seit Anfang 2025 bestehen soll. Ziel der Vereinigung sei die Begehung „verfassungsfeindlicher Sabotage“ gewesen, konkret die Brandstiftung an einem Strommast am 9.9.25, was zu einem Stromausfall im Technologiepark Adlershof führte. Die Duchsuchungsbeschlüsse sind auf verschiedene Tage datiert, von Ende letzten Jahres bis hin zu letzter Woche. Durchsucht wurde bei den vier Beschuldigten, einigen Familienangehörigen und „Zeugen“. Warum diese vier Personen beschuldigt werden und was die Verbindung zwischen Ihnen sein soll, ist aus den Beschlüssen nicht ersichtlich.

Das Vorgehen war von mutwilliger Zerstörung geprägt. Eingangstüren, Schlösser und Fenster wurden zerstört. Die Bullen nahmen Kleidung, elektronische Geräte und Router mit, sowie alles Handgeschriebene, Broschüren und Bücher. Besonders interessiert waren sie an Veröffentlichungen mit den Themen: Öko, anti-tech, Antimilitarismus und Internationalismus. In fast allen Durchsuchungen kamen Datenträgerspürhunde zum Einsatz.

Außergewöhnlich für den berliner Kontext war, dass die Bullen Mobiltelephone, Computer und Festplatten von Familienangehörigen mittnahmen.

Nach den Durchsuchungen wurden die beschuldigten Personen auf die Gefangenensammelstelle gebracht, wo sie einer ED Behandlung unterzogen wurden und ihnen DNA Proben abgenommen wurden. Eine der Personen wurde von den Cops dabei gewürgt und brutal zusammengeschlagen, weil diese sich weigerte Fingerabdrücke abzugeben. Dann gab es eine Gegenüberstellung mit einem Spürhund in einer sehr dubiosen Verfahrenweise.

Seit 6 Uhr morgens waren auch Presseteams an vielen der durchsuchten Orten, um ihre großen Stories und eindrücklichen Fotos zu fabrizieren. Auch die faschistische Webseite „Nius“ wurde von der Polizei im Voraus benachrichtigt und filmte den Einbruch der Bullen ins Kalabal!k.

Journalist:innen veröffentlichten auch verschiedene Falschnachrichten und schrieben sie gegenseitig ab, so wurde behaubtet das Manuel, ein Anarchist aus München, der letztes Jahr für 7 Monate eingesperrt war, sei unter den Beschuldigten. Das ist Bullshit und zeigt wiedermal, wie wichtig es ist, dass wir es vermeiden Lügen und Gossip aus den Medien zu verbreiten.

Was gestern passierte macht klar, dass die Cops durch die Durchsuchung von möglichst vielen Orten, Druck aufbauen, soziale Beziehungen durchleuchten und Daten sammeln will. Der Chef der Polizei-„Gewerkschaft“ GdP hat dann auch in seinen Kommentaren an die Ursrpünge der heutigen deutschen Polizei angeknüpf, als er Goebbels paraphrasiered sagte: „Linksextreminsmus ist ein demokratiegefährdendes Krebsgeschwür, dass sich durch die Gesellschaft frisst (…)“.

Die Durchsuchungen waren ein harter Schlag für die Betroffenen und ihre Umfelder, aber dank der riesigen Solidarität die von so vielen geübt wurde, bleiben unsere Ideen unerschüttlich.

Solidarität zu üben, heißt den Kampf weiterzuführen!

Und wie immer gilt Anna und Arthur halten’s Maul

Long live Anarchy!

 

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Jetzt schlägt der Staat zurück. Ein bisschen

zeit.de 25. März 2026 Presseartikel zeit.de

 

Am Dienstagvormittag zückt die Polizei also ihr „großes Besteck“, wie Einsatzführer sagen. 500 Beamtinnen und Beamte rücken zur Razzia aus, allein in Berlin fahren an 14 Adressen die Mannschaftswagen vor, in Mitte, in Neukölln, in Treptow-Köpenick, in Kreuzberg. Im Reichenberger Kiez liegt eines der Hauptziele, das Kalabal!k, nach eigenen Angaben eine „anarchistische Bibliothek“. Für die Ermittler: ein Nest mutmaßlicher Schwerkrimineller.

Zwischen Büchern und politischen Pamphleten, so lautet der Verdacht, sollen sich hier öfter die Mitglieder einer Gruppe von Linksextremisten getroffen und abgesprochen haben. Vier Personen im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren, zwei Frauen und zwei Männer. Am 9. September 2025 dann, das glauben die Ermittler zu wissen, waren sie es, die ein Feuer an zwei Strommasten in Berlin-Johannisthal legten, um die großen Unternehmen im nahen Technologiepark Adlershof zu treffen. Doch dabei blieb es nicht.

„Wir schlagen zurück“, kündigte der Bundesinnenminister an

Auch in 50.000 Privathaushalten gingen die Lichter aus, einige Wohnungen blieben zweieinhalb Tage lang dunkel. Der Schaden im Technologiepark soll sich auf 30 bis 70 Millionen Euro belaufen haben. Bald tauchte beim linken Szeneportal indymedia ein Bekennerschreiben auf, das sich wie folgt zusammenfassen lässt: Das kapitalistische System muss brennen, und wenn dabei Unbeteiligte zu Schaden kommen, ist das eben so.

Am 3. Januar folgte ein noch längerer Blackout, als eine Kabelbrücke im Südwesten Berlins brannte. Auch dahinter sollen Anarchisten gesteckt haben. Das Bundeskriminalamt setzte eine Belohnung von bis zu einer Million Euro für Hinweise aus. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) richtete danach eine Botschaft an die Linksextremisten: „Wir schlagen zurück.“
So soll auch die nun erfolgte Großrazzia verstanden werden. Mehrere mit den Ermittlungen vertraute Beamte sagten der ZEIT, man durchdringe die „enorm professionellen Netzwerke“ von gefährlichen Linksextremen, die sich nicht nur durch die Hauptstadt spannten, sondern quer durch die Republik. Auch in Hamburg, wo einer der Verdächtigen offenbar in die linke Szene fand, in Düsseldorf und in Brandenburg gab es am Dienstag Durchsuchungen.

Viele Spuren der Berliner Gruppe führen nach Bayern

Besonders viele Spuren führen demnach zu einer bereits berüchtigten anarchistischen Gruppe in Bayern, die das Magazin Zündlappen herausgab. Nach Recherchen der ZEIT wurde einer der Beschuldigten aus Berlin zuvor auch in Süddeutschland wegen politisch motivierter Brandanschläge beschuldigt, konnte aber bislang nicht belangt werden. Auch bei der nun erfolgten Großrazzia wurden keine Haftbefehle vollstreckt.
Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin, Benjamin Jendro, hält es für sehr löblich, „was unser LKA da auf die Beine gestellt hat, um die heutigen Durchsuchungsbeschlüsse zu erwirken“. Gleichwohl bleibe es „unheimlich schwer“, Extremisten ihre mutmaßlichen Taten auch nachzuweisen. Kann es überhaupt gelingen?

Anarchisten benutzen Papierzettel und treffen sich im Wald

An der Fassade des Kalabal!k hängt ein Spruchband: „Der Görli bleibt auf“. Im Kampf für den Görlitzer Park steht praktisch die gesamte linke Szene solidarisch. Die Bibliothek wiederum ist offenbar ein Treffpunkt verschiedener Arten von Radikalen, besonders aber für sogenannte anarchistisch-primitivistische Gruppen, die jede staatliche Ordnung beseitigen wollen, damit die Menschen in einer Art Urzustand zusammenleben können.

Bereits im Herbst, nach dem ersten Blackout, begannen die Berliner Polizei und Generalstaatsanwaltschaft mit intensiven Ermittlungen. Einer der Durchsuchungsbeschlüsse stammt bereits aus dem Dezember. Auch der Bundesverfassungsschutz und sogar der Bundesnachrichtendienst sollen mit den Stromausfällen befasst sein, weil eine Beteiligung ausländischer Geheimdienste denkbar erschien.
Die Anarchisten machten aber offenbar wenig Fehler. Menschen aus dem Dunstkreis der Verdächtigen hätten schon damit gerechnet, dass sie observiert werden. Sie trafen sich scheinbar konspirativ „im Wald“, wie es in Berliner Polizeikreisen heißt, besprachen da aber gerade nichts Bemerkenswertes, sondern wollten wohl nur die Ermittler auf Trab halten.

Polizeigewerkschafter: „Bei Messengerdiensten sind wir meistens blind“

Zudem bemühten sich die mutmaßlichen Extremisten, kaum elektronische Spuren zu hinterlassen – da laufe „viel handschriftlich auf Papier“, manche Botschaften würden offenbar bald verbrannt. Und wenn sich die Anarchisten doch digitaler Hilfsmittel bedienten, so sagt es der Berliner Gewerkschafter Benjamin Jendro, fehlten die rechtlichen und technischen Mittel, um mitlesen zu können: „Bei Messengerdiensten sind wir meistens blind.“
Weil sich ihre Mitglieder genauso vorsichtig verhielten, scheiterten auch die Ermittler in Bayern an der Gruppe Zündlappen. Dort ereigneten sich seit 2019 rund 50 Brandanschläge auf die Infrastruktur. Bei dem mutmaßlichen Extremisten, der nun zu den Verdächtigen in dem Berliner Fall zählt, kam es bereits im April 2022 zu einer Hausdurchsuchung.
Aber die Indizien reichten nicht aus, um ihn auch vor Gericht zu bringen. Kürzlich wurde Anklage gegen einen anderen, 32 Jahre alten Beschuldigten erhoben, wegen drei mutmaßlicher Taten. Er hatte bereits bis Ende September in U-Haft gesessen, musste dann aber freigelassen werden. Zwischenzeitlich hielt er sich wohl ebenfalls in Berlin auf. Ob es diesmal zum Prozess kommt, ist noch offen.

Verteidiger legt Beschwerde gegen die Durchsuchung ein

Und die Mitglieder der sogenannten Vulkangruppe, die für den noch schwereren Blackout im Januar in Berlin verantwortlich gewesen sein soll, sind bislang offenbar nicht einmal identifiziert worden. Die Berliner Ermittler gehen davon aus, dass sich die Tätergruppen mindestens lose kennen. Aber sie wissen nicht, ob sie auch Know-how ausgetauscht haben könnten.
Ein Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft sagte, bei der Durchsuchung am Dienstag seien Handy, Laptops und andere Datenträger sichergestellt worden. Diese würden nun ausgewertet, auf mögliche Beweismittel durchsucht.
Der Verteidiger einer der vier Beschuldigten sagte der ZEIT, er zweifle allerdings an, dass alle rechtsstaatlichen Standards eingehalten worden seien. Er habe „aus fadenscheinigen Gründen“ erst nach Stunden mit seiner Mandantin sprechen dürfen.
Auf ihn wirke es so, als wollte der Staat nur Härte demonstrieren, um jeden Preis. Er habe bereits eine Beschwerde eingelegt.