Antifaschist Gino Abazaj in Paris festgenommen – mit deutschem Haftbefehl
18.12.2025 von Perspektive Online
Neue Festnahme im Budapest-Komplex – dieses mal in Paris. Nach Aufforderung durch die BRD wurde der albanische Antifaschist Gino Abazaj dort festgenommen. Im droht eine Überstellung nach Deutschland oder im schlimmsten Fall nach Ungarn. Dort läuft derzeit der Prozess gegen Antifaschist:in Maja T. einem Urteil entgegen.
Am Dienstag wurde der Antifaschist Rexhino „Gino“ Abazaj in Paris durch die französische Polizei festgenommen. Er wurde in den Zellen der Unterdirektion für Terrorismusbekämpfung SDAT in Levallions-Perret inhaftiert. Bereits am nächsten Tag protestierten Unterstützer:innen am Métro-Cité vor dem Berufungsgericht für seine Freilassung.
Hintergrund der Festnahme ist ein europäischer Haftbefehl der Bundesrepublik Deutschland. Gino wird vorgeworfen, an Taten im Zusammenhang mit dem „Budapest-Komplex“ beteiligt gewesen zu sein. Dabei handelt es sich um Vorfälle rund um einen Neonazi-Aufmarsch im Jahr 2023 in der ungarischen Hauptstadt. Damals kam es zu mehreren körperlichen Auseinandersetzungen mit Rechten.
Gino ist albanischer Staatsbürger und konnte sich zuletzt in Frankreich frei bewegen. Zuvor war er dort hin aus Finnland geflohen, weil ihm dort eine Abschiebung nach Ungarn drohte. Zwar lag ein von Ungarn beantragter europäischer Haftbefehl gegen ihn vor, ein Berufungsgericht in Paris hatte jedoch im März dessen Anwendung abgelehnt und Gino ohne Auflagen entlassen.
Nun scheint die Bundesrepublik Deutschland die Verfolgung von Antifaschist:innen durch Ungarn fortsetzen zu wollen. In Ungarn wird „die Antifa“ offen als Terrororganisation geführt, in Deutschland wird das Verfahren im Zusammenhang mit den ineinander verwobenen Komplexen Antifa Ost und Budapest von der für Terrorismus zuständigen Generalbundesanwaltschaft geführt.
Auslieferung nach Deutschland – und vielleicht Ungarn?
Der genaue Hintergrund für das Vorgehen Deutschlands ist noch unklar. Laut dem Linkspartei-Abgeordneten Martin Schirdewan könnte Hintergrund dessen sein, das vermeintliche Opfer der im Rahmen des Budapest Komplexes vorgeworfenen Taten die deutsche Staatsangehörigkeit haben.
Am 24. Dezember soll nun Entschieden werden, ob Gino nach Deutschland überstellt werden soll. Dort könnte ihm des weiteren eine Kettenauslieferung nach Ungarn drohen. So wurde Antifaschist:in Maja T. Nach von Deutschland nach Ungarn ausgeliefert. Andere Antifaschist:innen im selben Komplex wurden jedoch zuletzt nicht ausgeliefert, sondern in Deutschland angeklagt. Gegen sechs dieser Antifaschist:innen startet am 13. Januar ein Prozess in Düsseldorf. In Dresden läuft ein Prozess gegen weitere sieben Beschuldigte, wo unter anderem Taten aus Budapest verhandelt werden.
Repressalien gegen Unterstützer:innen in Ungarn
Am 14. Januar 2026 soll zudem der Prozess gegen Antifaschist:in Maja T. und weitere Beschuldigte am Budapester Stadtgericht fortgesetzt werden. An den Prozesstagen am 14., 16., 19. und 22. Januar möchte das Gericht die Beweisaufnahme zu Ende bringen und ein Urteil gegen Maja T. sprechen.
Die ungarische Polizei hat derweil eine antifaschistische Solidaritätskundgebung vor dem Gericht verboten. Parallel dazu erhielten mehrere Personen, die sich wie in Ungarn erforderlich, für einen Besuch des Prozesstages angemeldet hatten, Absagen. Das berichtet das „free Maja“-Solidaritätskomitee.
Pressesprecherin Sophie Neumann des Solidaritätskomitees für Maja erklärt dazu: „Der ungarische Staat versucht ganz offensichtlich, antifaschistischen Protest gegen das zu erwartende drakonische Urteil zu unterbinden. Nachdem erst kürzlich ,die Antifa‘ als Terrororganisation eingestuft wurde, wird dieses Verbot nun praktisch umgesetzt. Die Vorwürfe sind absurd, genauso die Vorgehensweise. Antifaschistische Proteste sind keine Gefährdung der Allgemeinheit, sie sind notwendig, um auf den politischen Schauprozess gegen Maja sowie die von Faschist:innen ausgehende Gefahr aufmerksam zu machen – auch und gerade in Ungarn.“
Das Solidaritätskomitee plant, an jedem der Prozesstage mit einer Kundgebung vor dem Gericht und mit Beobachter:innen im Gericht präsent zu sein. Auch Perspektive Online plant eine Berichterstattung von vor Ort.






