Von Autos zu Panzerfahrzeugen: KNDS plant Übernahme von VW- und Mercedes-Standorten
Presseartikel von Perspektive Online
Der Rüstungskonzern KNDS prüft die Übernahme von Werken aus der kriselnden Autoindustrie – darunter Standorte von VW und Mercedes in Osnabrück und Ludwigsfelde. Die beiden Autohersteller wollen auch ihr eigenes Rüstungsgeschäft ausweiten.
Der Rüstungshersteller KNDS ist ein deutsch-französisches Joint-Venture und hauptsächlich bekannt für seine Panzer, wie den Kampfpanzer Leopard 2 oder den Radpanzer Boxer. Auch die Munition Panzerhaubitze 2000 wird von KNDS hergestellt.
Der Konzern befindet sich zur Ausweitung seiner Produktion nun mit mehreren Unternehmen in Verhandlungen zur möglichen Übernahme von Werksstandorten. Konkret seien das VW-Werk in Osnabrück sowie das Mercedes-Benz-Werk in Ludwigsfelde im Gespräch, wie der Spiegel berichtete. Bei beiden Werken ist schon klar, dass die Autoindustrie sie sich nicht länger leisten will. Im Fall vom Benz-Werk in Ludwigsfelde soll die Produktion beispielsweise ins polnische Jawor verlagert werden.
Schon im April hatte Florian Hohenwarter, der Anfang des Jahres zum neuen Chef von KNDS ernannt worden war, verraten: „Eine eingespielte Mannschaft aus der Autoindustrie wäre ideal.“ Hohenwarter arbeitete zuvor fast zwei Jahrzehnte bei Mercedes-Benz.
Dabei ist das Timing für KNDS entscheidend: Noch in diesem Jahr soll das deutsch-französische Joint-Venture an die Börse gehen. Vorher will der deutsche Staat einsteigen, um französische Anteile auszugleichen. Und dieser habe laut Hohenwarter auch schon große Aufträge in Aussicht gestellt.
KNDS baut Produktionskapazitäten massiv aus
2030 sollen in Ludwigsfelde für die Autofertigung die Lichter ausgehen. Findet sich keine Nachfolge für das Werk, würde dies das Ende von 2.000 Arbeitsplätzen bedeuten. Einen Teil dieser Arbeitsplätze will KNDS übernehmen, um dann offene Fahrgestelle für Militärfahrzeuge statt wie bisher für Sprinter zu produzieren.
Deren Produktion fährt der Rüstungskonzern zwar stetig hoch – erst im April wurde in München im Beisein von Ministerpräsident Söder (CSU) eine neue Fertigungsstraße für den Radpanzer Boxer eröffnet. Doch damit nicht genug. Laut der Recherche des Spiegel plant die Bundeswehr eine Bestellung von 3.000 Exemplaren des Boxer. In der neuen Fertigung laufen pro Monat jedoch gerade einmal zehn aus. Deshalb möchte KNDS rund 1 Milliarde Euro investieren.
Bei der Eröffnung der neuen Fertigungsstraße gab es jedoch nicht nur Rostbratwürste und symbolträchtige Fotos: Auch verschiedene Ankündigungen von Unternehmens- wie staatlicher Seite konnten vernommen werden. So nutzte KNDS die Eröffnung gleichzeitig auch für die Verkündigung einer neuen Partnerschaft mit dem Zulieferer Dräxlmaier, welche die Skalierung der Produktion bei KNDS sicherstellen soll. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) konnte dabei feierlich einen Erfolg für die bayrische Rüstungsindustrie verkünden. Erst im April hatte der Landtag ein neues Rüstungsgesetz beschlossen, das die Ansiedlung im Freistaat erleichtern und außerdem sicherstellen soll, dass die in Berlin beschlossene Aufrüstung in Bayern für Umsätze sorgt.
In Osnabrück steht der Auslauf der Fertigung sogar noch eher bevor als im Osten. Schon für das Jahr 2027 plant VW hier das Ende der Produktion. Eine Übernahme des Werks hatte zuletzt schon Rheinmetall abgelehnt. Nun sind Berichten zufolge der israelische Iron Dome-Hersteller Rafael sowie wohl auch KNDS im Gespräch. Auch hier sind rund 2.300 Arbeiter:innen angestellt. Bei beiden Werken kommen zudem noch Zulieferer im Umkreis der Werke hinzu.
Ob die viel versprochene Umstellung auf Kriegsproduktion die Jobs der Arbeiter:innen überhaupt sichern könnte, ist jedoch umstritten. Ein Beispiel für eine solche Übernahme eines Werks ist das ehemalige Alstom-Werk in Görlitz. Dort hatten im Jahr 2016 noch knapp 2.500 Beschäftigte gearbeitet – damals noch unter Bombardier. Nach mehreren Stellenabbauwellen waren davon dann im Jahr 2021 nur noch circa 900 übrig. Schon 11 Monate später, zum Ende des Jahres, kündigte dann Alstom weiteren Stellenabbau an. Schließlich übernahm KNDS das Werk im Jahr 2025. Von den 700 Beschäftigten, die zum Schluss noch dort gearbeitet hatten, sicherte KNDS nur 580 Arbeitsplätze tatsächlich vor Ort.
VW und Mercedes wollen selbst mehr ins Rüstungsgeschäft
Abgesehen von den etablierten Rüstungsunternehmen hat VW jedoch auch selbst schon Versuche in der Branche gestartet. Erst im Februar wurden auf der Fachmesse Enforce Tac zwei VW-Konzeptfahrzeuge für den Kriegseinsatz vorgestellt – unter Geheimhaltung in Osnabrück entwickelt. Auch Mercedes-Benz plant, verstärkt ins Rüstungsgeschäft einzusteigen, wie Unternehmenschef Ola Källenius gegenüber dem Wall Street Journal erklärte. Mercedes-Benz wolle „eine positive Rolle“ bei der europäischen Aufrüstung spielen. Bisher stellt der Konzern bereits seine G-Klasse als Militärfahrzeug her. Und auch die ausgegliederte Lkw-Sparte produziert Lastkraftwagen für militärische Zwecke.






