Hochspannungsmasten im Großraum München angezündet
Zwei Anschläge auf Stromleitungen in Garching führten in Teilen von München-Ismaning zu einem Blackout. Der Staatsschutz geht von Brandstiftung aus.
Presseartikel aus dem Neuen Deutschland 26.05.2026
In der Nacht zum Pfingstmontag brannten in Garching bei München zwei wenige hundert Meter voneinander entfernte Hochspannungsmasten. »Aufgrund des Schadensbildes« werde derzeit von Brandstiftung ausgegangen, erklärte die Polizei der Landeshauptstadt. »Die bisherigen Erkenntnisse deuten klar auf Sabotage hin. Unser Staatsschutz ermittelt mit Hochdruck«, erklärte auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag. Die Ermittlungen hat der Staatsschutz der Kriminalpolizei übernommen.
Die Brände in Sichtweite der A9 führten zu einem kurzzeitigen Stromausfall in Teilen Ismanings. Beide Brände konnten von Einsatzkräften der Feuerwehr schnell gelöscht werden. Die Höhe des entstandenen Sachschadens ist noch nicht bekannt.
Parallelen zu Anschlägen in Berlin
Bei mindestens einem der Ziele handelt es sich um einen Kabelendmast, von dem die Leitungen in die Erde führen. Das ist in einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks zu erkennen. Ein solches Stahlgerippe war vor zwei Jahren nahe der Tesla-Fabrik in Grünheide im März 2024 sowie im September 2025 in Berlin-Baumschulenweg Ziel von Anschlägen. Letzterer richtete sich gegen einen in der Nähe in Adlershof befindlichen Technologiepark.
»Ihre Machenschaften sind der Garant für das Fortbestehen der kapitalistischen Todesmaschine«, hieß es in einem Bekennerschreiben hinsichtlich der adressierten Tech-Unternehmen. Eine solche – bei der Polizei als »Selbstbezichtigung« bezeichnete – Veröffentlichung zu den Taten in Garching ist derzeit noch nicht nicht bekannt.
»Wer unsere Infrastruktur angreift, greift unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt an. Bayern handelt entschlossen und tut alles dafür, die Stromversorgung schnell wiederherzustellen und die Bevölkerung zu schützen«, betonte indes Innenminister Herrmann.
Erster Fall nach rund einem Jahr
Viel Erfolg kann Herrmanns Ministerium in der Angelegenheit nicht vorweisen: Bei einer Serie mit rund 50 ähnlichen Angriffen auf Infrastruktur in München und Oberbayern wurden in den vergangenen Jahren Strom- und Datenkabel, Mobilfunkmasten, Windkraftanlagen oder Fahrzeuge der Polizei zerstört. Auch 2021 fiel dabei großflächig der Strom in München aus, nachdem durch ein Feuer in einer Baugrube dutzende Kabel zerstört worden waren.
Seit der Festnahme zweier Aktivist*innen vor einem Jahr wurden jedoch in München und Umgebung keine derartigen Fälle verzeichnet. Gegen die Verdächtigen, die dem anarchistischen Magazin »Zündlumpen« zugerechnet werden, hatte die Generalstaatsanwaltschaft München letztes Jahr nach einigen Monaten Untersuchungshaft Anklage erhoben – allerdings zunächst nur wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz rechnet sie einer als »Anarcho-Primitivisten« bezeichneten Szene zu. Das Landgericht München I hat jedoch verfügt, dass gegen die zwei Beschuldigten nur vor dem Amtsgericht verhandelt werden soll.
Eine weitere Anklage wegen Belohnung und Billigung von Straftaten, öffentlicher Aufforderung zu Straftaten und Bedrohung wurde jedoch zur Hauptverhandlung vor dem Landgericht München I zugelassen. Dieses Jahr erhob die Justiz außerdem gegen einen 32-jährigen Beschuldigten Anklage wegen dreier Taten der mutmaßlichen Anschlagsserie in Oberbayern. Der Mann habe sich zwischenzeitlich in Berlin aufgehalten. Ob und vor welchem Gericht dazu verhandelt wird, ist noch offen.
Bayerische Polizei: Maßnahmen »nochmals« verstärkt
Nachdem es auch in Berlin zum Jahreswechsel einen schweren Brandanschlag auf Kabelinfrastrukturen und tagelange Stromausfälle gab, will die bayerische Polizei ihre Maßnahmen zur Verhinderung derartiger Taten ebenfalls »nochmals verstärkt« haben, so Herrmann. Zudem sollten alle 96 Kreisverwaltungsbehörden mit mobilen Notstromgerätesätzen für die Feuerwehr ausgestattet werden, um im Ernstfall die Stromversorgung weitgehend zu sichern. 19 Landkreise und kreisfreie Städte hätten diese Systeme laut dem Innenminister bereits erhalten.
Ob die Brandanschläge in Bayern tatsächlich von »Anarcho-Primitivisten« begangen wurden, ist aber sogar laut den Ermittler*innen unklar. In Bayern wird dazu einer weiteren These nachgegangen: Hinter den Taten könne auch Russland stehen, das dazu sogenannte »Wegwerfagenten« einsetzt – gemeint sind meist junge Männer, die in sozialen Medien für wenig Geld für derartige Taten angeworben werden. Auch der Iran soll sich seit dem Angriffskrieg durch Israel und die USA dieser Methode bedienen, dabei soll ein israelisches Restaurant in München beschädigt worden sein.






