Google will unsere Smartphones abriegeln Android ist bedroht
Google plant, die Identität sämtlicher App-Entwickler:innen künftig zwingend zu überprüfen und sichert sich damit die absolute Kontrolle darüber, welche Apps auf unseren Geräten installiert werden dürfen.
Risiko für die staatliche Souveränität
Das Risiko für die staatliche Souveränität ist offensichtlich. Google hätte die Möglichkeit, die Installation von Anwendungen einseitig zu verbieten, die etwa von Staaten entwickelt wurden, um spezifische nationale Bedürfnisse zu erfüllen – etwa Apps im Zusammenhang mit öffentlichen Diensten, Identifikation oder besonderen lokalen Anforderungen. Diese Entwicklung widerspricht aus wirtschaftlicher Sicht den Grundsätzen des freien Wettbewerbs. Und es besteht im aktuellen geopolitischen Kontext die ernsthafte Gefahr, dass nationale Aktivitäten und Handlungen nicht aus rechtlichen Gründen, sondern aufgrund wirtschaftlicher oder politischer Interessen eines amerikanischen Tech-Konzerns verhindert werden. Im europäischen Kontext steht diese Entscheidung im Widerspruch zum Geist des Digital Markets Act (DMA), der verhindern soll, dass ein dominanter Akteur allein den Zugang zu einem Markt kontrolliert. In der Schweiz verpflichtet das Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben (EMBAG) die öffentlichen Verwaltungen dazu, offenen Quellcode zu bevorzugen. Die zentrale Kontrolle über Android-Anwendungen könnte somit öffentliche Anwendungen gefährden, die mit schweizerischem oder europäischem Recht vereinbar sind, und bestehende wie zukünftige digitalpolitische Aktivitäten untergraben. Schliesslich bremst Googles Entscheidung die Entwicklung freier Software auf Android erheblich und verstärkt die kommerzielle Ausrichtung der Android-Plattform. Die Digitale Gesellschaft, die sich seit langem für offene Infrastrukturen einsetzt, welche Selbstbestimmung und Privatsphäre respektieren, wehrt sich: Wir dürfen eine solche Verletzung unserer Grundrechte und unserer kollektiven Handlungsfähigkeit, über unsere digitalen Werkzeuge zu entscheiden, nicht hinnehmen. Die Digitale Gesellschaft hat bereits einen internationalen offenen Brief an Google unterzeichnet, und wird sich bei der Schweizer Wettbewerbskommission beschweren. Sie ruft alle Bürger:innen, Entwickler:innen sowie Organisationen und Verwaltungen dazu auf, dasselbe zu tun. Eine ausführlichere Liste weiterer Mobilisierungs-Massnahmen ist verfügbar unter https://keepandroidopen.org/de/.Dieser Artikel steht unter einer cc by-sa 4.0 Lizenz und ist zuerst im Blog der Digitalen Gesellschaft erschienen.






