
Transpi in Erinnerung an Werner Sauber
09.05. 2025
Wir haben heute am 8.5, kurz vor dem 50.Todestag ein Transpi in Erinnerung an Werner Sauber in Bern aufgehängt
Werner Sauber war unter vielen (Vor-)Namen bekannt. Einige Genoss:innen haben seinen richtigen Namen erst bei seinem Tod erfahren.Seine Zürcher Geldadelsfamilie, die ihm 1947 seine Namen gab, wollte & will bis Heute nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden (seine Bruder den ehemaligen Formel 1 Rennstalbesitzer kennt die halbe Schweiz). Es ist ihnen unwohl bei der Erinnerung, dass einer der ihren Auszog, um die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend zu verändern. Werner Sauber verliess bereits 1967 die Schweiz in Richtung Berlin. Er traf kurz nach der Erschiessung von Benno Ohnesorg in der Stadt ein.
Werner besuchte in Berlin die Filmakademie. Einer seiner Mitstundenten war Holger Meins, der später im Zuge seines Hungerstreiks vom Staat bewusst mit zu wenig Kalorien zwangsernährt wurde und schliesslich deshalb verstarb. Werner dreht an der Akademie seinen Film "Der einsame Wanderer". Sein Studium fand 1968 ein abruptes Ende, nachdem er mit 15 anderen das Büro des Geschäftsführers der Akademie besetzt hatte und aus dem Auto, welches Holger Meins gehörte, eine Rohrbombe unter einen Polizeiwagen geworfen wurde. Meins selber hat ein Alibi, Werner und seine damalige Partnerin Ulrike Edschmid wurden - nachdem sie als Zeug*innen das Alibi von Meins bestätigten - verhaftet. Sie sassen trotz Alibi für vier Wochen in Isolationshaft. Später erhielten sie beide Haftentschädigung, doch die damalige Boulevardpresse hatte ihr Urteil bereits gefällt und Werner Sauber galt ab sofort als Bombenbauer. Die Bild nannte ihn sogar den Bombenexperten der "Baader-Meinhof-Bande". Seine damalige Partnerin Edschmid verneint, dass Sauber ein Bombenbauer war, nicht aber, dass er militant aktiv war. Nach seiner Haft drehte Werner einen Film gegen Isolationshaft und Knäste. Der Titel "Reisst die Mauern ein - holt die Menschen raus" trifft es noch heute auf den Punkt. Die Punkband Ton Steine Scherben schreibt für den Film das Lied "Der Kampf geht weiter". Im Zuge des Prozesses gegen die "Gruppe Bändelistrasse" wird Werner Sauber beschuldigt, Waffen in die Schweiz geschmuggelt zu haben. Ob das stimmt, ist bis heute nicht bewiesen. Auch sind die Aussagen aus dem Buch "Bewegung 2. Juni" von Reinders und Fritsch, Sauber hätte damals ein Waffendepot in der Schweiz angelegt, mit Vorsicht zu geniessen, da die beiden sich dabei in diverse Lügen verstrickt hatten.
Werner auch aktiv in einem Kinderladen, in welchem er ein Gegenmodel zum autoritären Staat sah, so ein Zeitzeuge von damals.
Hauptsächlich war Werner Sauber aber an der linksradikalen Zeitschrift Agit 883 beteiligt. Diese wurde eine Zeit lang aus der WG an der Grunewaldstrasse 88 herausgegeben. Besagte WG wurde immer wieder von den Bullen gerazzt. Für Holger Meins und Werner Sauber wurde bald einmal klar: Die Zeit in der Legalität ist vorbei. Zumindest bei Holger vollzog sich der Weg in den Untergrund sehr schnell. Werner Sauber liess sich etwas mehr Zeit, bevor er die Kontakte in die bürgerliche Welt abbrach. Wie dies nach und nach vonstatten ging, kann in Edenschmids Buch "Das Verschwinden des Philip S." sehr gut nachgelesen werden. Werner Sauber wollte nicht wie die RAF als Avantgarde bewaffnet käpmfen. Werner ging eher in die Fabriken, versuchte dort zu agitieren und war nur nebenbei militant und bewaffnet aktiv. Er hat versucht, sich im Untergrund eine legale Existenz als Fabrikarbeiter aufzubauen. Für ihn war klar, die Kunst würde keine Revolution herbeiführen. Sauber soll gemäss Aussagen an mehreren Banküberfällen der Bewegung 2. Juni beteiligt gewesen sein. Diese verteilte dabei gerne Schokoküsse, oder Bonbons an die Kund:innen in der Bankfiliale, um zu zeigen: wir rauben hier die Bank aus, nicht euch. Neben Nachtschichten bei einem Motorenhersteller in Köln schrieb er nebenbei Texte. Zudem lernte er den Arzt Karl Heinz Roth kennen, der bis heute politische Texte veröffentlicht. Kurz vor seinem Tod publizierte Sauber eine Analyse "zur Lage in den Betrieben und in den Ballungsräumen". Am 9. Mai 1975 kam es nach einem Anruf einer Nachbarin bei der Polizei zu einer folgenschweren Kontrolle auf einem Parkplatz in Köln. Werner Sauber, Roland Otto und Karl Heinz Roth haben sich getroffen, da Roth eine Person aus dem Untergrund medizinisch untersuchen sollte. Die Polizei schluckte die falschen Pässe von Otto und Sauber, aber bei Roth schlugen sie schliesslich Alarm und zogen die Waffen. Gemäss Polizeibericht gelang es Sauber aus dem Auto zu springen und zwei Schüsse auf die Polizisten
abzugeben. Die beiden Überlebenden widersprechen dieser Aussage bis heute. Sauber sei direkt weggerannt und ein Polizist hätte ihm deshalb in den Rücken geschossen, daraufhin habe sich Sauber umgedreht und zurückgeschossen. "Er schoss zurück bis er zusammenbrach und regelrecht hingerichtet wurde" meint hingegen Karl Heinz Roth. Einer seiner Schüsse trifft und tötet einen der Polizisten. Auch Roth wird an diesem Abend von einem Polizisten angeschossen, überlebt dies aber. Werner Sauber nicht. Mit unserer kleinen Aktion und diesem Text wollen wir an Werner Sauber erinnern. Er ist ausgezogen um für eine bessere Welt zu kämpfen, statt ein Bonzenleben in Zürich zu führen. Seine Bonzenfamilie möchte dass Werner in Vergessenheit gerät, doch dies wird nicht geschehen.
Die Bewegung 2. Juni schloss ihre Stellungnahme zum Tod ihres Genossens Werner Sauber mit folgenden, wieder sehr aktuellen und passenden Worten ab:
Beschwört nicht den Faschismus und seine Tendenzen mit Worten und Papier, sondern werdet ein aktiv handelnder Teil gegen ihn.
Die Angst vor dem Faschismus ist schon ein Teil seiner Herrschaft!
weiterführende Links:
Bewegung 2. Juni: Zum Tod unseres Genossen Werner Sauber
https://bewegung.nostate.net/mate_sauber.html
Alle Ausgaben der Agit 883
http://plakat.nadir.org/883/
Wer war Philipp Werner Sauber
1978 – aus: „Ein ganz gewöhnlicher Mordprozess? Das politische Umfeld des Prozesses gegen Roland Otto, Karl Heinz Roth und Werner Sauber“ von Klaus Dethloff, Armin Golzem und Heinrich Hannover (Hrsg.)
https://bewegung.nostate.net/mate_mord.html
CN Daniel Ryser Text
Sauber, Tod und Teufel
Werner Sauber Der Bruder des ehemaligen Formel-1-Rennstallbesitzers Peter Sauber agierte im Umfeld einer bewaffneten politischen Bewegung und wurde 1975 in Köln von der Polizei erschossen. Die Geschichte eines Mannes, der loszog für die Revolution.
https://www.woz.ch/0609/sauber-tod-und-teufel
Bücher
Ulrike Edschmid: Das Verschwinden des Philip S.
https://www.suhrkamp.de/buch/ulrike-edschmid-das-verschwinden-des-philip-s-t-9783518465356
Bändelistrasse
Agit 883
Agit 883Bewegung, Revolte, Underground in Westberlin 1969–1972
https://www.assoziation-a.de/buch/agit_883/
ELLA -nichts haben, alles ändern
https://www.galerie-der-abseitigen-kuenste.de/publikation/ella
Andreas Tobler:
BändlistrasseRAF, LSD, PKO und TNT
https://echtzeit.ch/buch/bandlistrasse
Daniel de Roulet: Double
https://www.limmatverlag.ch/programm/titel/452-double.html








